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“Jobsharing ist kein Kompromiss, sondern ein Gewinn für beide Seiten.” - Salome von Doppeldoc im Interview

Wir haben mit Salome Kisker von Doppeldoc darüber gesprochen, warum Jobsharing heute Karriere ermöglicht statt bremst – und was es braucht, damit es funktioniert.

Medicus

13.02.2026

Jobsharing wird in der Medizin immer wichtiger – gerade für Ärztinnen und Ärzte, die Familie, Weiterbildung und Verantwortung verbinden möchten. Eine zentrale Treiberin dieses Modells ist Salome Kisker, Ärztin, dreifache Mutter und Mitgründerin von Doppeldoc. Mit ihr haben wir darüber gesprochen, warum Jobsharing heute Karriere ermöglicht statt bremst – und was es braucht, damit es funktioniert.

Salome, für alle die Doppeldoc noch nicht kennen – was genau versteht ihr unter Jobsharing in der Medizin?

Jobsharing heisst nicht einfach „ich arbeite 50% und suche mir eine nette Ergänzung“. Es ist ein Teammodell. Zwei Personen tragen Verantwortung gemeinsam, vertreten sich gegenseitig und planen die Versorgung so, dass die Patient:innenkontinuität erhalten bleibt. Es braucht Vertrauen und die Bereitschaft, auch mal loszulassen – zum Beispiel wenn jemand Ferien hat und Dinge nicht exakt so laufen, wie man es selbst machen würde.

Du bist seit vielen Jahren im Thema – wie hat sich die Haltung in den Spitälern und Praxen verändert?

Sehr stark. Vor zwölf Jahren war Jobsharing eher ein „Exotenthema“. Heute ist die jüngere Ärztegeneration selbstbewusster und bringt diese Bedürfnisse aktiv ein. Man merkt: sie möchten im Beruf bleiben, aber nicht um jeden Preis. Das macht die Diskussion ehrlicher – und langfristiger.

Was ist der grösste Mehrwert aus deiner Sicht – für Ärzt:innen und Arbeitgeber?

Ganz klar die Nachhaltigkeit. Ärztinnen und Ärzte bleiben länger im Beruf, weil sie nicht permanent in Überlastung laufen. Für Arbeitgeber bedeutet das Kontinuität, Erfahrung und Bindung. Und fachlich profitiert man doppelt: zwei Perspektiven, zwei Persönlichkeiten, zwei Stärken. Viele merken erst im Alltag, wie wertvoll das ist.

Gleichzeitig spüren viele noch Vorbehalte, z.B. „Teilzeit = Karriereknick“. Wie gehst du damit um?

Ja, dieses Narrativ ist immer noch präsent. Aber eigentlich müssten wir fragen: Wie gestalten wir eine 10- bis 15-jährige Karriereentwicklung, nicht nur die ersten zwei Weiterbildungsjahre. Frauenförderung heisst nicht „einen netten Nachmittag zum Thema machen“, sondern Rahmenbedingungen schaffen, damit Menschen überhaupt Verantwortung übernehmen können – auch mit Kind oder Care-Aufgaben. Und: Offenheit für Biografien, die nicht linear verlaufen.

In welchen Fachgebieten ist Jobsharing heute schon gut verankert – und wo siehst du Potential?

In der Pädiatrie und Inneren Medizin ist es schon recht verbreitet. In chirurgischen Fächern steckt grosses Potential – gerade dort, wo der Druck hoch und die Arbeitszeiten traditionell rigide sind. Ich glaube fest daran, dass wir auch in der Chirurgie Modelle etablieren können, die Verantwortung und Vereinbarkeit kombinieren.

Was würdest du jungen Ärztinnen und Ärzten mitgeben, die mit dem Gedanken spielen?

Traut euch, Forderungen offen zu platzieren. Man muss nicht „dankbar sein“, wenn man bleiben darf – man bringt Leistung ein. Wichtig ist eine Partnerin oder einen Partner, die/der strukturiert ist, kommuniziert und aushalten kann, dass im Alltag nicht immer alles perfekt ist. Jobsharing ist kein Rückzug, sondern ein bewusstes Gestalten von Arztsein auf Augenhöhe.

Vielen Dank!

Salome Kisker

Gründerin Doppeldoc & Ärztin

Salome Kisker hat Doppeldoc mit ihrem Bruder Jakob Kisker gegründet und setzt sich für moderne Arbeitsmodelle in der Ärzteschaft ein.

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