Wir haben mit Salome Kisker von Doppeldoc darüber gesprochen, warum Jobsharing heute Karriere ermöglicht statt bremst – und was es braucht, damit es funktioniert.
Jobsharing wird in der Medizin immer wichtiger – gerade für Ärztinnen und Ärzte, die Familie, Weiterbildung und Verantwortung verbinden möchten. Eine zentrale Treiberin dieses Modells ist Salome Kisker, Ärztin, dreifache Mutter und Mitgründerin von Doppeldoc. Mit ihr haben wir darüber gesprochen, warum Jobsharing heute Karriere ermöglicht statt bremst – und was es braucht, damit es funktioniert.
Jobsharing heisst nicht einfach „ich arbeite 50% und suche mir eine nette Ergänzung“. Es ist ein Teammodell. Zwei Personen tragen Verantwortung gemeinsam, vertreten sich gegenseitig und planen die Versorgung so, dass die Patient:innenkontinuität erhalten bleibt. Es braucht Vertrauen und die Bereitschaft, auch mal loszulassen – zum Beispiel wenn jemand Ferien hat und Dinge nicht exakt so laufen, wie man es selbst machen würde.
Sehr stark. Vor zwölf Jahren war Jobsharing eher ein „Exotenthema“. Heute ist die jüngere Ärztegeneration selbstbewusster und bringt diese Bedürfnisse aktiv ein. Man merkt: sie möchten im Beruf bleiben, aber nicht um jeden Preis. Das macht die Diskussion ehrlicher – und langfristiger.
Ganz klar die Nachhaltigkeit. Ärztinnen und Ärzte bleiben länger im Beruf, weil sie nicht permanent in Überlastung laufen. Für Arbeitgeber bedeutet das Kontinuität, Erfahrung und Bindung. Und fachlich profitiert man doppelt: zwei Perspektiven, zwei Persönlichkeiten, zwei Stärken. Viele merken erst im Alltag, wie wertvoll das ist.
Ja, dieses Narrativ ist immer noch präsent. Aber eigentlich müssten wir fragen: Wie gestalten wir eine 10- bis 15-jährige Karriereentwicklung, nicht nur die ersten zwei Weiterbildungsjahre. Frauenförderung heisst nicht „einen netten Nachmittag zum Thema machen“, sondern Rahmenbedingungen schaffen, damit Menschen überhaupt Verantwortung übernehmen können – auch mit Kind oder Care-Aufgaben. Und: Offenheit für Biografien, die nicht linear verlaufen.
In der Pädiatrie und Inneren Medizin ist es schon recht verbreitet. In chirurgischen Fächern steckt grosses Potential – gerade dort, wo der Druck hoch und die Arbeitszeiten traditionell rigide sind. Ich glaube fest daran, dass wir auch in der Chirurgie Modelle etablieren können, die Verantwortung und Vereinbarkeit kombinieren.
Traut euch, Forderungen offen zu platzieren. Man muss nicht „dankbar sein“, wenn man bleiben darf – man bringt Leistung ein. Wichtig ist eine Partnerin oder einen Partner, die/der strukturiert ist, kommuniziert und aushalten kann, dass im Alltag nicht immer alles perfekt ist. Jobsharing ist kein Rückzug, sondern ein bewusstes Gestalten von Arztsein auf Augenhöhe.
Vielen Dank!

Gründerin Doppeldoc & Ärztin
Salome Kisker hat Doppeldoc mit ihrem Bruder Jakob Kisker gegründet und setzt sich für moderne Arbeitsmodelle in der Ärzteschaft ein.
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